31.10.2008 - Knappe Ressource Mut

Finanzinvestoren sind zurzeit nicht gut beleumundet. Die Strategie, mit geliehenem Geld Firmen zu kaufen, um dann schnell Profit zu machen, ist aus der Mode gekommen. Die Konjunktur bricht ein, die Cash-Flows der Unternehmen versiegen. Die Anleger wollen ihr Geld zurück - doch ein Ausstieg ist in vielen Fällen schwierig geworden.

Bessere Adressen in der Private-Equity-Branche können mit eigenem Geld arbeiten, das verschafft Spielräume. Die Adcuram AG in München ist eine Mischung aus Finanzinvestor und Industrieholding. Das Geld stammt von vier Gesellschaftern, die sich vor sechs Jahren selbstständig gemacht haben. Mittlerweile setzt das Beteiligungsunternehmen mit seinem bunten Portfolio 350 Mio. Euro um. Als nicht börsennotierte AG hat sich Adcuram im Schatten des großen Konkurrenten Arques in den vergangenen Jahren in der Branche etabliert.

Adcuram nimmt bevorzugt Sanierungsfälle aus der Industrie in seine Obhut. Nach Möglichkeit werden die alten Geschäftsführer übernommen, um die eigenen Managementkapazitäten nicht zu sehr zu strapazieren. Die Führungsgesellschaft in München leitet mit 30 Mitarbeitern 2500 Beschäftigte weltweit.

Die Beteiligungen sind bunt, Synergien nicht geplant. So hält Adcuram zwei Maschinenbauer ebenso wie den Wurstpellenhersteller Case Tech, den die Münchener dem Chemieriesen Dow Chemical jüngst abgekauft haben. Die Vorzeigebeteiligung ist aber die Mainzer Duran Group, der einstige Laborglasanbieter des Schott Konzerns. Duran ist voll auf dem Schott-Werksgelände integriert, rechtlich aber eigenständig und nach Aussagen von Adcuram auch wieder sehr profitabel. So viel Erfolg macht selbstbewusst: Die Münchener wollen weiter zukaufen. Sie könnten Firmen übernehmen, die bis zu 500 Mio. Euro Umsatz machen, werben die Adcuram-Leute.

Strategisch nimmt das Unternehmen jetzt eine Branche in den Fokus: die Autozulieferer. Deren Situation wird mit jedem Tag schwieriger, an dem die Bänder bei BMW, Mercedes oder Opel langsamer laufen. Viele haben eine dünne Kapitaldecke und können eine längere Durststrecke nicht durchstehen. Die von der EU geplanten Hilfen kommen vor allem den Herstellern zugute, nicht der mittelständischen Zulieferindustrie. Die Autokonzerne richten bereits Feuerwehrkassen ein, um in Not geratene Zulieferer zu stützen.

Der geplante Ausflug in die Autobranche ist riskant: Niemand weiß, wie tief die Krise geht. Adcuram ist in engem Kontakt mit den Autoherstellern und Zulieferern. Sie wollten nicht alles nehmen, was angeboten wird, sagen die Münchener. Schließlich geht es ja um das eigene Geld. Gesucht werden Technologieführer, die für die Autohersteller nicht zu ersetzen sind und nach der Krise eine Zukunft in Deutschland haben. Die Beteiligungsspezialisten wissen um ihre gute Position: Frisches Eigenkapital und Risikobereitscahft werden in den kommenden Monaten sehr knappe Ressourcen sein.

von Markus Fasse

Quelle: Handelsblatt 31.10/1./2.11.2008 Seite 14

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